Auf dem Weg zur Wiedereröffnung: Kunstvolle Wände und restaurierte Böden
Am 28. März 2026 wird der Stiftsberg wieder eröffnen ‒ und bis dahin wird auf Hochtouren gearbeitet. Neben baulichen Arbeiten und der fortschreitenden Möblierung der neugestalteten Ausstellungsräume finden aktuell auch die Wandbedruckung mit dem wallPen sowie die Restaurierung der historischen Böden im Blauen Saal und im Wartezimmer statt. Beide stehen beispielhaft für das Zusammenspiel von moderner Technik, künstlerischer Gestaltung und traditioneller Restaurierung, das Besucherinnen und Besuchern künftig neue Zugänge zur Geschichte der Welterbestadt Quedlinburg eröffnen soll.
In der aktuellen Bauphase müsse vieles gleichzeitig koordiniert werden, erklärt Uta Siebrecht, Leiterin der Städtischen Museen und Archive Quedlinburgs. Während an einzelnen Stellen des Gebäudeensembles noch gebaut werde, werden an anderer Stelle bereits Möbel angeliefert – und parallel dazu ausgewählte Wände in den Ausstellungsräumen gestaltet. Diese Gleichzeitigkeit sei notwendig, um den engen Zeitplan bis zur Wiedereröffnung einzuhalten.
Die Wandgestaltung folgt einer poetischen Idee, die sich bewusst zurücknimmt. „So wie Elfen und Feen ihre Spuren hinterlassen haben, haben auch die Äbtissinnen Spuren hinterlassen“, sagt Uta Siebrecht. „Nicht jede einzelne Frau könne im Museum einen eigenen Auftritt erhalten”, ergänzt sie. Dennoch sollen ihre Namen sichtbar werden. Insgesamt 220 Frauen, deren Wirken im Stift urkundlich belegt ist, werden deshalb in chronologischer Reihenfolge dezent auf die Wände gedruckt. Mit Mathilde beginnt die sogenannte „Feenspur“, die sich durch ausgewählte Bereiche der Ausstellungsräume im Obergeschoss sowie durch die Galerie vor den ehemaligen Residenzräumen zieht. Die Namen sind nicht als Liste angelegt, sondern fügen sich wie eine leise, fast flüchtige Spur in die Wand ein und erschließen sich eher beiläufig als durch bewusstes Lesen.
Was später so zurückhaltend im Raum erscheint, basiert auf hochpräziser Technik. Zum Einsatz kommt der wallPen, ein vertikal arbeitender Spezialdrucker, der direkt auf Wände druckt – selbst auf unebenen, historischen Oberflächen. Die Tinte wird in Millisekunden auf die Wand „geschossen“ und härtet während des Druckvorgangs durch UV-Licht sofort aus. „Wir garantieren zwölf Jahre Haltbarkeit – wahrscheinlich hält die Farbe aber sogar 100 Jahre“, sagt Valentin Herfel, Leiter Marketing der wallPen GmbH.
Neben den Frauennamen lassen sich mit der Technik auch grafische Darstellungen realisieren. Ein besonderes Beispiel ist die Darstellung König Heinrichs I., die in extremer Vergrößerung – rund 2,20 Meter hoch – auf die Wand gebracht wird. Das Motiv basiert auf einem nur etwa fünf Zentimeter großen Taler aus dem 17. Jahrhundert, auf dem Heinrich als Kaiser sowie als Stadt- und Stiftsgründer dargestellt ist. In der Ausstellung sollen entsprechende Originaltaler aus Gold und Silber vor der Wandpräsentation gezeigt werden und im Zusammenspiel mit der Grafik wirken.
Parallel dazu schreitet die Restaurierung der historischen Böden voran, die erst nach Abschluss der Arbeiten im Jägergarten beginnen konnte. Im Blauen Saal und im Wartezimmer wurden die Holzböden, die lange durch Abdeckungen geschützt waren, freigelegt und eingehend untersucht. Teile der Böden lassen sich in die Zeit um 1720/1730 datieren. Aktuell erfolgt eine detaillierte Schadensanalyse, bei der unter anderem lose Holzteile, Fugen und frühere Überarbeitungen erfasst werden. Ziel ist es, die Böden konstruktiv zu sichern, einzelne Elemente zu festigen oder neu zu verleimen und anschließend die Oberflächen in aufwendiger Handarbeit behutsam zu bearbeiten. Dabei orientiert sich die Restaurierung am baugleichen Boden im Wartezimmer, der bereits in früheren Jahren instandgesetzt wurde. An den Arbeiten sind spezialisierte Holzrestauratorinnen und -restauratoren aus mehreren Ländern beteiligt.
Schritt für Schritt entsteht so ein Schlossmuseum, das historische Substanz bewahrt und zugleich neue Wege der Vermittlung geht – und den Stiftsberg ab Frühjahr 2026 wieder für die Öffentlichkeit erlebbar macht.