Die Stadt Quedlinburg - als erste Welterbestätte und durchaus mit einer Vorreiter- und Vorbildfunktion für das ganze Land - erarbeitet mit erheblicher finanzieller Unterstützung des Landes seit Juli 2009 einen Welterbe-Managementplan für das Weltkulturerbe Quedlinburg. In eigens hierfür eingerichteten, monatlich tagenden Arbeits- und Projektgruppen arbeiten u.a. die Stadt Quedlinburg, das Landesverwaltungsamt als obere Denkmalschutzbehörde und für die Koordinierung der Welterbestätten in Sachsen-Anhalt beauftragte Landesbehörde sowie das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt intensiv zusammen.
Transparenz, Mitwirkungsmöglichkeiten der Bürgerschaft sowie Stärkung der Quedlinburger Identität sind den Beteiligten wichtige Aspekte. Deshalb findet im Rahmen des Forum Bürger für Quedlinburg am 26. Januar 2010 eine öffentliche Präsentation des aktuellen Standes der aufgenommen Arbeiten am Managementplan statt. Die Besucher des Forums sind herzlich zur Teilnahme und Diskussion eingeladen.
Gemäß den "Richtlinien für die Durchführung des Übereinkommens zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt" der UNESCO vom Februar 2005 sind für alle Welterbestätten verpflichtet Managementpläne zu erarbeiten. Managementpläne definieren als integriertes Planungs- und Handlungskonzept die Ziele und Maßnahmen für den Schutz, die Nutzung, die Pflege, die Vermittlung und die erfolgreiche Weiterentwicklung der Welterbestätten mit ihrem jeweiligen außergewöhnlichen universellen Wert. Vorrangig zuständig für die Welterbestätten sind die Länder. Am 15. Juli 2003 fasste die Landesregierung den Beschluss, den Erhalt der Authentizität und die Erlebbarkeit der in Sachsen-Anhalt gelegenen Welterbestätten sowie ihre verstärkte kulturtouristische Erschließung als ein wesentliches landespolitisches Ziel zu bestimmen.
Der erarbeitete Managementplan wird zukünftig alle Grundlagen, Ziele und Maßnahmen zum Erhalt und zur weiteren Entwicklung der historischen Altstadt erfassen und als integriertes Planungs- und Handlungskonzept alle wichtigen Themen von Stadterneuerung und Denkmalpflege, Wirtschaft und Tourismus, Wohnen sowie Öffentlichkeitsarbeit fortschreibbar und nutzergerecht sowie graphisch aufbereitet umfassen. Dabei verbindet er die Eigenschaften einer Sammlung von Forschungsergebnissen, d.h. einem wissenschaftlich kartographisch begründeten und verlinkten Nachschlagewerk zur Ordnung, Erfassung und Bewertung des Welterbebestandes, mit einem Handlungsinstrument zur Festlegung der Ziele und Maßnahmen zum Schutz, zur Pflege, zur Nutzung und zur Entwicklung von Welterbestätten mit der Wirkungskraft, die Planungssicherheit, Transparenz und Konfliktvermeidung bei städtebaulichen Entscheidungen gewährleistet.
Ein wesentlicher Bestandteil des Welterbemanagementplans ist der Denkmalpflegeplan, der neben einer historischen Ortsanalyse die Bestandsbeschreibung der Liegenschaften aller 45 Quartiere innerhalb des UNESCO-Welterbegebietes sowie kurz-, mittel- und langfristige Zielstellungen und davon abgeleitete denkmalpflegerische Maßnahmepläne umfasst.
Ein Erfassungsteam aus drei auf diesem Gebiet erfahrenen Architekten des Büros Rittmannsperger + Partner aus Erfurt hat bereits seit November des vergangenen Jahres mit der Bestandsanalyse in einem Testquartier zwischen Markt, Pölle, Hölle und Stieg begonnen. Diese Vor-Ort-Tätigkeit wird in den kommenden zwei Jahren jeweils zwischen März und Oktober schrittweise auf das zu untersuchende Gesamtgebiet von Altstadt, Neustadt und Westendorf sowie auf den Stiftsberg, den Münzenberg und den Bereich des Wipertiiklosters ausgedehnt.
Die ersten Erfahrungen zeigen, dass diese verantwortungsvolle und in diesem Umfang neue Forschung durch die Eigentümer, die betroffenen Bewohner und die Gewerbetreibenden verständnisvoll unterstützt wurde. Schließlich werden mit dem Denkmalpflegeplan gleichzeitig die Grundlagen gelegt für die notwendige Unterstützung der Stadt Quedlinburg und ihrer Bürger bei der Lösung der anhaltend umfangreichen Aufgaben, die aus dem Welterbestatus erwachsen. Eine rechtzeitige Information und Abstimmung des sehr engen Zeitplanes des Architektenteams mit den Betroffenen ist deshalb ein besonders wichtiges Element der für 2010 bereits angelaufenen Projektvorbereitung.
Ablauf des Forums:
5. Forum "Bürger für Quedlinburg"
Termin: Dienstag, 26.01.2010, Beginn 18.30 Uhr
Festsaal des Rathauses
Programm
1. Einleitung, Zielsetzung der Stadt Quedlinburg
Bürgermeister Herr Dr. Brecht
2. Planungsinstrument "Welterbemanagementplan": Zielsetzung, Aufbau und Finanzierung
Frau Stüwe, Landesverwaltungsamt
3. Prozess- und Arbeitsstruktur
Herr Jost, Jost Consult
4. Bestandsaufnahme, Grundlagen, Inhalte
Arge Fr. Dr. Hennen/Fr. Kanus-Sieber
5. Teilplan Denkmalpflegeplan, Erfahrungen Testquartier, Feldarbeit
Herr Hanske, Büro Rittmannsperger + Partner
6. Zielsetzung aus Sicht des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie
Frau Dr. Wendland, Landeskonservatorin
7. Diskussion
Moderation Hr. Kaufmann
Quedlinburg, den 19. Januar 2010
Hier finden Sie die Dokumentation der Projektvorstellung.
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